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Katastrophenvorsorge beginnt vor dem Ernstfall

Symbolbild: BRK-Bereitschaften bei der Katastrophenschutzübung „Ägidius“ im August 2025

Zum internationalen Tag der Katastrophenvorsorge am 13. Oktober gibt das BRK im Landkreis Kelheim Einblick in den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz und sensibilisiert für Vorsorge.

Landkreis Kelheim. Ob Hochwasser, Unwetter oder ein länger andauernder Stromausfall – Katastrophen können auch den Landkreis Kelheim treffen. Umso wichtiger ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, sich auf mögliche Gefahren vorzubereiten und im Ernstfall schnell und koordiniert handeln zu können. 

Anlässlich des Internationalen Tages der Katastrophenvorbeugung am 13. Oktober rückt das Bayerische Rote Kreuz (BRK) die Bedeutung von Vorsorge und Bevölkerungsschutz in den Mittelpunkt. Bernhard Steffel, Kreisbereitschaftsleiter, und Tobias Eberl, Katastrophenschutzbeauftragter, erklären im Interview, wie sich das BRK im Landkreis Kelheim auf Krisen und Katastrophen vorbereitet, welche Aufgaben die Einsatzkräfte übernehmen und wie auch die Bevölkerung einen wichtigen Beitrag zur eigenen Sicherheit leisten kann. 

Welche Gefahrenlagen müssen wir heute besonders im Blick haben?
Tobias Eberl: Neben Hochwasser, Starkregen und Unwettern gewinnen auch länger andauernde Stromausfälle, Cyberangriffe und der Ausfall kritischer Infrastruktur an Bedeutung. Wir müssen auf unterschiedlichste Schadenslagen vorbereitet sein und flexibel reagieren können.

Was bedeutet Vorsorge ganz konkret für unsere BRK-Bereitschaften vor Ort?
Bernhard Steffel: Vorsorge klingt oft nach großen Szenarien wie Hochwasser, großflächigem Stromausfall oder einem Massenanfall von Verletzten. Für unsere BRK-Bereitschaften beginnt Vorsorge aber viel früher – im ganz normalen Dienstalltag. Im Kern geht es um eine einfache Frage: Was müssen wir heute vorbereiten, damit wir morgen auch unter schwierigen Bedingungen helfen können?  Dabei geht es nicht darum, jedes denkbare Katastrophenszenario durchzuplanen. Es geht darum, die eigene Bereitschaft, die Menschen vor Ort und die Zusammenarbeit mit anderen so aufzustellen, dass wir auch dann handlungsfähig bleiben, wenn gewohnte Abläufe nicht mehr funktionieren. Dazu gehört, Material und Ausrüstung einsatzbereit halten, die Verfügbarkeiten unserer Helfenden realistisch einzuschätzen, Vertretungen zu klären und Wissen im Team zu sichern. Ebenso wichtig ist es, die eigene Umgebung zu kennen und Abläufe regelmäßig zu üben. So bleiben wir auch handlungsfähig, wenn gewohnte Abläufe nicht mehr funktionieren.

Hat sich der Katastrophenschutz in den vergangenen Jahren verändert?
Tobias Eberl: Ja, deutlich. Die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal 2021, bei der auch Einsatzkräfte unseres Kreisverbandes im Einsatz waren und das Donauhochwasser im Juni 2024 haben gezeigt, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist. Auch die Corona-Pandemie mit dem Betrieb zahlreicher Schnelltestzentren hat die Bandbreite unserer Aufgaben deutlich gemacht. Die Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat zudem die Vorbereitung auf mögliche länger andauernde Stromausfälle stärker in den Fokus gerückt. 

Welche Maßnahmen sind bei der Katastrophenvorbeugung entscheidend?
Tobias Eberl: Eine durchdachte Einsatzplanung, zuverlässige Ausstattung und regelmäßige organisationsübergreifende Übungen sind entscheidend. Dazu gehören auch Überlegungen, wie die Bevölkerung bei länger andauernden Stromausfällen mit wichtigen Informationen versorgt und bei Bedarf unterstützt werden kann. Was vor einer Katastrophe geplant oder geübt werden kann, muss im Ernstfall nicht unter Zeitdruck erarbeitet werden.

Katastrophenschutz lebt stark vom Ehrenamt. Was motiviert unsere Helferinnen und Helfer, sich auf Situationen vorzubereiten, die hoffentlich nie eintreten?
Bernhard Steffel: Ich glaube, der wichtigste Antrieb ist ein Gedanke: Wir bereiten uns auf Situationen vor, die hoffentlich nie eintreten.

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen für das Ehrenamt im Katastrophenschutz? 
Bernhard Steffel: Ich sehe die größte Herausforderung darin, aus der hohen Bereitschaft zu helfen dauerhaft eine verlässliche Einsatzfähigkeit zu machen – ohne die Menschen zu überfordern, die diese Hilfe ehrenamtlich leisten. Denn die Stärke des Katastrophenschutzes liegt nicht allein in Fahrzeugen, Technik oder Einsatzplänen. Sie liegt vor allem in Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Diese Menschen zu gewinnen, zu qualifizieren und gut zu behandeln, ist deshalb keine Ergänzung des Katastrophenschutzes – es ist eine seiner wichtigsten Voraussetzungen.

Wie wichtig ist das Zusammenspiel der verschiedenen Organisationen?
Tobias Eberl: Absolut unverzichtbar. Keine Organisation kann eine größere Schadenslage alleine bewältigen. Haupt- und Ehrenamt sowie die verschiedenen Hilfsorganisationen und Behörden müssen Hand in Hand arbeiten. Im Einsatz zählt nicht, welches Logo auf der Jacke steht, sondern dass wir gemeinsam helfen.

Was kann jede und jeder Einzelne tun, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben? 
Bernhard Steffel: Das ist ein ganz wichtiger Gedanke für den Bevölkerungsschutz: Wer selbst vorbereitet ist, kann sich und seine Familie schützen, die ersten Stunden besser überbrücken und den Einsatzkräften ermöglichen, dort zu helfen, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird. Für uns als BRK bedeutet das auch: Katastrophenvorsorge ist nicht allein Aufgabe von Behörden und Einsatzorganisationen. Sie beginnt bei jedem Einzelnen – zu Hause, am Arbeitsplatz und in der Nachbarschaft.

Dinge, die jede und jeder konkret tun kann:

  1. Einen kleinen Notvorrat anlegen: Trinkwasser, haltbare Lebensmittel und wichtige Medikamente sollten in ausreichender Menge vorhanden sein.
  2. Warnungen empfangen und richtig reagieren: Wer Warn-Apps nutzt, Warnmeldungen kennt und weiß, wo es verlässliche Informationen zu finden gibt, kann im Ernstfall schneller handeln.
  3. Wissen, wie man helfen kann: Erste-Hilfe-Kenntnisse geben Sicherheit und ermöglichen, Menschen in Notlagen schnell und richtig zu unterstützen.

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Jede und jeder kann einen Beitrag leisten:

 Bevölkerungsschutz ist eine gemeinsame Aufgabe. Wer seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischt, sich ehrenamtlich engagiert oder die Arbeit des BRK mit einer Spende unterstützt, stärkt die Hilfe für Menschen in Not – auch direkt vor Ort im Landkreis Kelheim.

 Erste-Hilfe-Kurse sind buchbar unter https://kvkelheim.brk.de/bildung.html