Kelheim/Mainburg. In den letzten Tagen kam es am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Mainburg zu einem rettungsdienstlichen Einsatz. An diesem Einsatz hat sich vor dem Hintergrund der aktuellen gesundheitspolitischen Umstrukturierungen eine hitzige Debatte um die Stabilität der Notfallversorgung entzündet.
Das BRK stellt hierzu unmissverständlich klar: Die Notfallversorgung ist auf einem sehr hohen Niveau gewährleistet, es bedarf jedoch intelligenter neuer Konzepte, um das Rettungsdienst-System langfristig zu sichern.
Mit knapp 18.000 Einsätzen pro Jahr und über einer Million gefahrenen Kilometern im Rettungsdienst ist der BRK-Kreisverband Kelheim eine zentrale Säule der Gefahrenabwehr im Landkreis.
Der Einsatzverlauf: Fakten statt Gerüchte
Die Behauptung, man hätte in Mainburg zwei Stunden auf einen Rettungswagen warten müssen, ist schlichtweg falsch. Der tatsächliche Ablauf zeigt, dass das Hilfeleistungssystem genau so funktioniert hat, wie es soll:
- 20:37 Uhr: Notfallereignis – Ein Patient ist gestürzt und musste versorgt werden.
- Sofortige Hilfe: Ein ehrenamtlicher Sanitäter des BRK, der ebenfalls auf der Veranstaltung anwesend war, übernahm innerhalb kürzester Zeit die Erstversorgung.
- 20:42 Uhr: Der Notruf wird abgesetzt.
- 20:53 Uhr: Ein ehrenamtlicher Rettungswagen des BRK trifft vor Ort ein. Diese ehrenamtliche Unterstützungsgruppe Rettungsdienst wurde alarmiert, da der örtliche Rettungswagen bereits in einem an- deren Einsatz gebunden war.
- 21:03 Uhr: Abstimmung über Funk. Der anfahrende öffentlich-rechtliche Rettungswagen wurde durch starken Schneefall massiv behindert und zudem in einen anderen Einsatz verwickelt. Daher wurde gemeinsam entschieden, dass der ehrenamtliche Rettungswagen den Transport übernimmt.
- 21:25 Abfahrt von der Einsatzstelle
- 22:05 Uhr: Eintreffen im Krankenhaus.
„Das Rettungssystem hat genauso funktioniert, wie es soll. Insbesondere die ungewöhnliche Wetterlage mit starkem Schneefall hat uns bewogen dem zweiten Rettungswagen die anspruchsvolle Anfahrt zu ersparen und den Transport selbst zu übernehmen“, resümiert Sebastian Altmann, der am Einsatz beteiligte Rettungssanitäter. Grundsätzlich wird der Rettungsdienst durch das berufliche Personal sichergestellt. Für kurzfristige Leistungsspitzen und besondere Wetterereignisse greifen jedoch unsere bestens ausgebildeten ehrenamtlichen Einheiten.
Unsere Forderungen: Innovation statt alter Muster
Angesichts steigender Einsatzzahlen und gesellschaftlicher Veränderungen warnt das BRK davor, in alten Mustern zu verharren und einfach weiter blind die Anzahl der Rettungswägen zu erhöhen. „Dies würde dem Rettungsdienst-System mittel- und langfristig mehr schaden als nutzen“, macht Kreisgeschäftsführer Christoph Kühnl deutlich. Wir fordern stattdessen:
- Einführung des Rettungsdienst-Einsatz-Fahrzeugs (REF): Dieses inno- vative Modellprojekt muss zwingend Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Systems werden. Es handelt sich hierbei um ein neues Einsatzfahrzeug, das lediglich mit einem Notfallsanitäter besetzt ist. Es dient gezielt dazu, nicht zwingend zeitkritische Einsätze professionell abzuarbeiten. So bleiben die voll ausgestatteten regulären Rettungswagen für lebensbedrohliche Notfälle frei.
- Prüfung weiterer Projekte: Die Einführung des RTWakut und des Akut- KTW-Projekts muss ebenfalls zeitnah geprüft werden.
- Entscheidungsfreiheit für das Personal: Das EDV-gestützte System zur Patientenzuweisung verlängert in der aktuellen Form die Transportwege zum Teil erheblich, da den Notfallsanitätern die Entscheidung über das Transportziel aus der Hand genommen wird. Wir fordern: Die abschließende Entscheidung über die Behandlungseinrichtung muss durch das Personal direkt am Patienten getroffen werden und nicht von einem Computer.
Die genannten Projekte werden derzeit in Bayern erprobt. Zuletzt wurde der Probebetrieb des REF-Projekts deutlich ausgeweitet. Der Landkreis Kelheim wäre bei Einführung des REF-Systems der erste ländliche Raum, in dem die Mehrwerte erprobt werden könnten. Insbesondere durch die weitläufige Struktur des Landkreises wäre der Landkreis Kelheim eine ideale Modellregion und könnte wichtige Erkenntnisse für das Gesamtprojekt liefern.
Wir handeln bereits: Flächendeckendes "Helfer vor Ort"-System
Das BRK wartet unterdessen nicht auf politische Lösungen, sondern unternimmt längst selbst konkrete Schritte. Wir sind derzeit dabei, ein neuartiges Helfer-vor-Ort-System einzuführen, das sich über den gesamten Landkreis erstrecken soll. Es handelt sich dabei im Prinzip um eine organisierte medizinisch-soziale Nachbarschaftshilfe. Der entscheidende Vorteil: Unsere freiwilligen Helfer können oft deutlich schneller an den Einsatzstellen Erste Hilfe leisten, als es dem regulären Rettungsdienst bei weiten Anfahrtswegen möglich ist.
Das Konzept befindet sich unsererseits bereits in der Umsetzung und die offizielle Aufnahme der „Helfer vor Ort“ in die Alarmierungsplanung der Integrierten Leitstelle Landshut ist beim zuständigen Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung bereits beantragt. „Wir gehen davon aus, dass wir bald eine positive Rückmeldung erhalten, da wir die Sicherheit der Bevölkerung deutlich verbessern und weder dem Zweckverband noch dem Landkreis hierfür Kosten entstehen“, betont Kreisbereitschaftsleiter Bernhard Steffel abschließend.
[Symbolbild: Wagner/BRK]
